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Die richtige Pflege für Piercings

Ob in Ohr und Zunge, an der Lippe und Nase oder am Bauchnabel: Piercings sind Trend. Was Sie beachten sollten, um Entzündungen zu vermeiden. Plus: Tipps zur Wahl des Piercing-Studios
von Diana Engelmann, aktualisiert am 17.10.2016

Etwas ausgefallenere Piercings? Auch die sind heute gesellschaftsfähig

Fotolia/pololia

Wenn alles glattläuft, dauert es einige Wochen, bis ein Piercing verheilt ist. In der durchstochenen Stelle bildet sich ein Kanal, den neue Haut auskleidet. Dann geht das Risiko für Infektionen "praktisch gegen null", sagt der Hals-Nasen-Ohren-Arzt Dr. Uso Walter aus Duisburg. Läuft nicht alles glatt, können die Stäbe, Ringe und Stecker Probleme bereiten. Infektionen sind die häufigste, aber längst nicht die einzige mögliche Komplikation. "Auch wulstige Narben können entstehen", sagt Professor Sebastian Strieth von der Hals-Nasen-Ohren-Klinik der Uniklinik Mainz. Zu Blutungen, Ausrissen, Allergien oder Gefühlsstörungen kann es ebenfalls kommen.

Entzündungen sind nicht auszuschließen

In einer britischen Studie aus dem Jahr 2008 mit über 10 000 Teilnehmern berichteten rund 15 Prozent der Gepiercten von Komplikationen am Bauchnabel; am Ohr waren es 14, an der Zunge 24, an der Nase knapp 9 Prozent. Die größten Schwierigkeiten macht Schmuck im Intimbereich: Da kämpfte knapp jeder Zweite mit Problemen.

Vergleichsweise geringe Risiken bergen durchstochene Ohrläppchen. "Da befindet sich nur weiches Gewebe", sagt Experte Strieth. "Knorpel dagegen ist empfindlich, hat er sich einmal entzündet. Er wird schlecht durchblutet, deshalb heilt er nicht so gut."

Darauf sollten Sie bei der Wahl eines Piercing-Studios achten

  • Aufklärung: Beim Beratungsgespräch sollten Risiken angesprochen und nach Krankheiten gefragt werden. Skepsis ist angebracht, wenn ein Piercer bereit ist, alles zu tun – ohne Fragen zu stellen.
  • Hygiene: Der Piercer sollte sterile Handschuhe tragen und keimfrei verpackte Geräte benutzen.
  • Checkliste: Anhaltspunkte für ein seriöses Studio gibt es auf der Internetseite der Deutschen Gesellschaft für Piercing (www.dg-piercing.de).
  • Ärzte als Piercer: Auch manche Ärzte stechen Ohrlöcher oder Piercings. Das ist aber umstritten. Der Vorgang zählt als Eingriff ohne medizinische Notwendigkeit.

Ohrlöcher, Zunge und Nase: Piercings sind heute weit verbreitet

Piercings sind mittlerweile gesellschaftsfähig geworden, ihre Träger keine Seltenheit mehr. Laut einer Erhebung der Ruhr-Universität Bochum haben rund sechs Prozent der Deutschen ein Piercing. Rechnet man Ohrlöcher mit, sind es sogar mehr als 40 Prozent. Das gezielte Durchstechen von Haut- und Körperstellen praktizieren verschiedenste Völker seit Jahrtausenden. Bei uns wurde es erst in den 90er-Jahren Mode; Technobewegung und Punkszene ebneten den Weg dafür. Für Punker waren Piercings noch Symbole des Protests, der Revolte, ein Mittel der Abgrenzung. Heute ist das Image ein ganz anderes, Ringe und Stecker im Gesicht und am Körper gelten als Schmuck. 2008 hat die Pädagogin Agnes Trattner Menschen gefragt, warum sie sich piercen ließen. Die überwiegende Antwort: Weil ich es einfach schön finde.

Reinigung und Desinfektion sind wichtig

Doch manchmal ist der Preis für den schönen Schmuck hoch. Arbeitet der Piercer nicht professionell, treten häufig Komplikationen auf. Dennoch existieren bis heute keine besonderen Anforderungen für diesen Beruf. Das heißt: Im Prinzip kann jeder einem anderen mit einer Nadel ein Loch durch die Haut stechen. Einzige Voraussetzung ist, dass der Kunde schriftlich zustimmt. Denn Piercen gilt als Körperverletzung. Geschieht es freiwillig, wird aber in der Regel niemand dafür belangt.

Der erste Schritt zum Körperschmuck sollte daher eine sorgfältige Auswahl des Studios sein (siehe Kasten). Der zweite: gründliche Pflege. "In den ersten Tagen bis Wochen ist sehr wichtig, täglich zu desinfizieren", sagt der HNO-Arzt Walter. In der Apotheke gibt es antiseptische Lösungen. Flüssige Varianten sind besser als Salben, weil sie die Haut weniger aufweichen. Anfangs sollte man auch nicht baden oder ins Schwimmbad gehen. Walter rät davon ab, die gepiercte Stelle mit einem Pflaster abzukleben: "Dadurch entsteht eine feuchte Kammer, das ist wie ein Brutkasten."

Gefahr von Verwachsungen

Damit sich keine Verwachsungen bilden, kann es helfen, den Ring oder Stab regelmäßig zu drehen. Bevor die Wunde vollständig verheilt ist, sollte der Schmuck jedoch nicht herausgenommen werden. "Wenn sich die Stelle entzündet, rot wird oder nässt, gehen Sie zum Arzt", rät Walter. Meist muss der Schmuck dann entfernt werden. Und: Es kann gut sein, dass Gepiercte die notwendige Behandlung teils selbst bezahlen müssen. Der Grund: Ein Piercing ist kein medizinisch notwendiger Eingriff, die Kasse kommt für die Folgen nicht auf.

Ist alles gut verheilt, sollte man die Stelle dennoch weiterhin regelmäßig reinigen: "Am besten mit antibakterieller Seife", sagt Strieth. Ein langfristiges Projekt, so ein Piercing.

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Bildnachweis: Thinkstock/Hemera, Fotolia/pololia

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